Dieser Bericht wurde verfasst von:

Hans Ritter

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„Liebliches Taubertal“

von Wertheim nach Rothenburg ob der Tauber

vom 18. bis 20. Mai 2005

Der Radwanderweg „Liebliches Taubertal“ ist einer der schönsten Radwege den wir bis jetzt gefahren sind. Die Radtouren durch unser schönes Frankenland sind sowieso etwas ganz besonderes, denn unsere Wege führen uns stets durch wunderschöne und beeindruckende Täler und Auen mit seinen typischen fränkischen kleinen Bauernhöfen und Ortschaften. Viele alte Mühlen säumen den langen Weg, den sich die Tauber durch das Tal gegraben hat und teilweise sind diese sogar, wie schon in der alten Zeit, noch in Betrieb. Der Fischreichtum ist sprichwörtlich in dem gemächlich dahinfließenden Flüsschen und man kann überall dem munteren Spiel der Bachforellen zuschauen.

Die steinernen Zeugen alter Brückenkunst sind ebenso beeindruckend und oft zu bewundern, wie auch die vielen alten blumengeschmückten Dorfbrunnen.

All dies alles war mit ein Grund dafür, dass wir diese Fahrradtour nach 1998 nun schon zum zweiten male fuhren.

Wir, das waren Sonja, Hans und unser Patenkind Anna.

Los ging es am Mittwoch, den 18. Mai 2005 morgens gegen 8:00 Uhr ab Alzenau. Nachdem wir Anna abgeholt und alles Gepäck und die Räder verstaut hatten, ging es los über die Autobahn A3 nach Wertheim, wo wir um 9:50 Uhr ankamen. Dort stellten wir unser Fahrzeug genau auf demselben Parkplatz ab wie bei unserer ersten Tour, nämlich unmittelbar am Anfang des reich beschilderten Radweges „Liebliches Taubertal“, am Ortsausgang von Wertheim.

Nachdem das Gepäck auf die Räder verstaut war ging die Fahrt um 10:10 Uhr bei schönem Wetter los. Schade nur, dass es ein wenig kühl war, so mussten wir über den Radlerklamotten noch eine Jogginghose, einen langen Pulli mit einer winddichten Weste tragen. Zum Glück aber war kein Regen in Sicht.

Über Waldenhausen, vorbei an Reicholzheim kamen wir, nachdem wir eine größere Steigung hinter uns gebracht hatten, wieder runter an die Tauber und über die Tauberbrücke zum ehemaligen Zisterzienserkloster Bronnbach, das wir uns aber nur von außen ansahen, da wir wussten, dass unser Zeitplan eng gesteckt war.

Jedoch machten wir dort unsere Rast und gönnten uns ein leichtes Frühstück auf einer Parkbank.

Danach ging es weiter nach Gamburg. Von hoch oben grüßte uns die gleichnamige Burg. Vorbei ging es an Niklashausen bis nach Hochhausen, das wir um die Mittagszeit erreichten. Hier wollten wir eigentlich unsere Mittagsrast einlegen, jedoch war die einzige Gaststätte im Ort geschlossen. Da uns die verbliebene Strecke nach Tauberbischofsheim zu weit war, drehten wir um und machten uns auf den Rückweg auf die Suche nach einem offenen Lokal. Nach 13:10 Uhr kamen wir dann in Gambach wieder an und kehrten im Gasthof „Grüner Baum“ in der rustikalen Bauernscheune ein. In der gemütlich umgebauten Scheune empfing uns köstlicher Schweinsbraten, fränkische Bratwurst, Spaerrips und vieles mehr aus der eigenen Metzgerei mit wohlschmeckenden Salaten. Dazu gab es ein frisches fränkisches Dunkelbier vom Fass.

Frisch gestärkt ging es dann wieder weiter Richtung Wertheim, vorbei an weitläufigen, wohlriechenden Bärlauchwiesen.

Um 14:55 Uhr trafen wir dort ein und verstauten unsere Räder und das Gepäck wieder auf dem Auto. Da wir zu einer familiären Überraschungs-Geburtstagsfeier mit anschließender Übernachtung pünktlich in Thüngen sein wollten, mussten wir uns sputen.

Die gesamte Radstrecke belief sich heute auf 50,4 km.

Nachdem wir am nächsten Morgen um 8:00 Uhr mit dem Auto gestartet waren (es waren auf dem Thermometer nur +1°), fuhren wir zu unserem nächsten Ausgangspunkt nach Königshofen hinter Tauberbischofsheim. Von hier aus brachen wir wieder gegen 9:50 Uhr mit unseren Rädern auf.

Nach weiteren Berg- und Talstrecken gelangten wir um 10:30 Uhr nach Bad Mergentheim. Der Radweg führte uns geradewegs durch den weitläufigen Kurpark.

 

Weiter ging es nach Weikersheim, wo wir um 12:00 Uhr, am Rande des Marktplatzes in einer Gaststätte unsere Mittagsrast einlegten. Es gab frische Schlachtplatte mit Blut-, Leber- und Bratwurst, Schlachtfleisch mit Kraut.

Leider konnten wir nur einen kurzen Abstecher zu dem schönen Renaissanceschloss machen, der ältesten Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenlohe.

Es wurde um 1600 erbaut und hat einen prächtigen Barockgarten in originalem Zustand mit Statuen-Zyklus und Orangerie.

Endlich wurde es ein wenig wärmer und wir konnten die lange Kleidung ausziehen. Vorbei an Tauberrettersheim und Röttingen und weiteren kleineren Ortschaften kamen wir in Creglingen an, wo wir in der Tauber unsere erhitzen Füße abkühlen konnten.


In der „Holdermühle“ in Archshofen, wo inmitten der Gastwirtschaft der Grenzstein zwischen Bayern und Baden Württemberg steht, legten wir nochmals eine kurze Rast ein, um unseren Flüssigkeitshaushalt wieder aufzufüllen.

Danach kamen wieder etliche steile Wegstücke, an denen wir teilweise die Räder schieben mussten.

Ein wenig ausgepumpt kamen wir schließlich vor Rothenburg an. Um aber hinauf zur Stadt zu gelangen stand uns noch ein schweißtreibender Anstieg bevor.

Gegen 16:45 Uhr fielen wir in „Rothenburg ob der Tauber“ ein.

Hier hatten wir uns in der Pension Becker vor zwei Tagen bereits eine Unterkunft gesucht.

Nachdem wir unseren ersten Durst gestillt und uns geduscht hatten machten wir uns auf, um uns die schöne mittelalterliche Stadt anzuschauen.


Natürlich durfte auch das international bekannte Weihnachsdorf der „Käthe Wohlfahrt“ nicht fehlen, das das weltweit größte Angebot an deutschem Weihnachtsschmuck auf 250 qm zeigt. Einmal im Laden drin, kam man sich vor wie mitten in der Weihnachtszeit und man erwartete eigentlich, dass uns beim verlassen des Ladens heftiger Schneefall empfangen würde, jedoch hatten wir Glück und die Sonne schien bei einer angenehmen Temperatur von +18° C. Leider war das einmalige Kriminalmuseum mit seinen mittelalterlichen Folterinstrumenten bereits geschlossen. So suchten wir uns, nach diesem Weihnachts-Ausrutscher, eine Gaststätte um unser Abendessen einzunehmen, denn wir wollten unbedingt noch die Nachtwächter-Stadtführung mitzumachen, die um 21:30 Uhr beginnen sollte.

Als es dann endlich soweit war, füllte sich der Marktplatz zusehends und die Zahl derer die diese viel gerühmte Show mitmachen wollten, nahm ständig zu.

Endlich war es soweit und der „Nachtwächter“ erschien in seinem langen schwarzen Mantel, mit dem Filzhut auf dem Kopf, in der einen Hand eine brennende Laterne und in der anderen eine große Hellebarde. Er war schon eine sehr altertümliche Erscheinung und in seiner altdeutschen Sprache erzählte er uns von dem schweren Los eines Nachtwächters. Anschließend sammelte er seinen Obolus in Höhe con drei Euro ein und der Rundgang begann.

Er schilderte sehr bildlich das Leben in dieser mittelalterlichen Stadt, die bereits um 960 n.Ch. besiedelt war. Es waren schwere und oft auch kriegerische Zeiten, die diese altwürdige Stadt hinter sich gebracht hat. Auch ist sie nie während ihrer langen Zeit größer zerstört worden. Nur im letzten, dem 2.Weltkrieg trafen sie alliierte Bomben, wobei die gesamte östliche Altstadt in Flammen aufging. Jedoch wurde nach dem Kriege dort alles wieder im Originalzustand neu aufgebaut.

Nachdem wir durch einige Gassen und Tore gegangen waren kamen wir wieder an unserem Ausgangspunkt am Marktplatz heraus und der „Nachtwächter von Rothenburg“ verabschiedete sich von uns. Die kleine Stadtführung hatte fast 80 Minuten gedauert und ich glaube, dass keiner das Geld hierfür bedauert hatte.

Danach ging es schleunigst in die Pension und ins Bett, denn unser Patenkind war nun schon sehr, sehr müde und am nächsten Tag sollte die Rückreise doch einigermaßen frisch und ausgeruht angetreten werden. Immerhin war es schon 23:00 Uhr geworden.

Unsere heutige Strecke hatte eine Länge von 58,6 km.

Der Freitagmorgen begrüßte uns mit satten 15°C und wir konnten schon nach wenigen Metern in kurzer Radlerkleidung zur Rückreise antreten. Wir stellten sehr schnell fest, dass die Fahrt flussabwärts wesentlich einfacher war als die Gestrige.

Mit ein wenig Rückenwind ging es flott voran und schon um die Mittagszeit erreichten wir Tauberrettersheim, wo wir ein herzhaftes Mittagessen im Gasthaus „Zur Krone“ einnahmen. In diesem Gasthaus waren wir schon bei unserer letzten Fahrt eingekehrt, hatten dort sogar übernachtet. Nach einer knappen Stunde ging es dann weiter und gegen 16:30 Uhr erreichten wir, bei ständig ansteigenden Temperaturen von mittlerweile 26°C unseren Ausgangspunkt und unser Auto in Königshofen.

Wiederum hatten wir eine Tour von 59,5 km hinter uns gebracht.

Nachdem wir die Fahrräder und das Gepäck verstaut hatten kehrten wir noch einmal in der Gaststätte nebenan ein und genehmigten uns noch einen kühlen Trunk, bevor es endgültig zur Heimreise kam.

Gegen 18:00 Uhr kamen wir alle wieder wohlbehalten und zufrieden, aber auch ein wenig müde Zuhause an.

Wir hatten sehr viel Spaß bei dieser Fahrt und fanden, dass das Taubertal seinen Reiz in keinster Weise verloren hatte. Überall gab es Interessantes zu sehen und die Tour wurde uns nicht ein einziges Mal langweilig.

Die gesamte Radstrecke hatte sich auf 168,5 km belaufen und wir hatten nicht eine einzige Panne gehabt. Auch hatten wir nicht einen Regentropfen abgekriegt. Was will man eigentlich mehr?

Unser Frankenapostel St. Kilian und der überall auf den Brücken stehende St. Nepomuk hatten uns vor allem Unheil bewahrt!

Hans Ritter

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