Söll Wandertour 27.09. - 02.10.2001 am Wilden Kaiser

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Unser Rad- und Wanderclub "Immer nur bergab" fuhr zum zweiten mal in Folge nach Österreich an den "Wilden Kaiser" um die alternden Knochen zu trainieren.

Am Donnerstag den 27. September nachmittags um 14.00 Uhr wollten wir uns, wie verabredet, zur Abfahrt bei den Kukla´s treffen. Wir, das waren Mechthild und Helmut Müller, unsere hessischen Freunde aus Hasselroth, Christel und Willi Kukla und Sonja und ich Hans Ritter aus Alzenau. Das große Gepäck, die Getränke und einen großen Teil der Lebensmittel hatten wir schon in unser Auto verladen um lange Ladezeiten zu vermeiden. Da ich den Großteil des Gepäckes und der Verpflegung geladen hatte, fuhren die Kukla´s bei den Müller´s mit. Um 14.00 Uhr hatten wir uns bei den Kukla´s verabredet, doch wer kam nicht ..... die Müller´s. Es war 10 nach zwei, es war 15 nach zwei, nichts zu sehen von den Hessen. Um 20 nach zwei trafen sie endlich ein und wir konnten den Rest des Gepäckes verstauen. Mit einer Verspätung von 23 Minuten starteten wir endlich Richtung Österreich. Helmut meinte zu seiner Entschuldigung, er habe die Zeit vertrödelt. Etwas, was wir von ihm eigentlich nicht gewohnt sind.

Die Fahrt ging also los. Im Altmühltal bei km 275 legten wir eine kurze Pinkelpause ein. Um 19.36 Uhr trafen wir in Söll ein. Wir hatten somit insgesamt eine Strecke von 478 km hinter uns.

Da es schon spät und dunkel geworden war, beschlossen wir direkt in den Ort weiterzufahren um etwas zu essen. Der Gasthof "Feldwebel" wo wir eigentlich einkehren wollten, hatte leider geschlossen, so stürmten wir ins Gasthaus "Post". Nach einem guten Essen und einigen geistigen Getränken fuhren wir dann unser Quartier an. Unsere Unterkunft war, wie schon im Jahr zuvor, die Hütte von Wolfram Fries in Söll/Hauning. So um 22.00 Uhr, als wir dann die Autos entladen und alles im Haus verstaut hatten, genehmigten wir uns erst einmal einen guten Rotwein. Hierbei wurde die Tour für den ersten Tag besprochen. Da für die Organisation der Touren diesmal wir, die Ritter´s, verantwortlich waren, hatten wir uns Zuhause schon unsere Gedanken darüber gemacht und verschiedene Strecken ausgearbeitet. Wie wir es vorgesehen hatten, wurde eine Tour mit weniger Kilometer und geringen Höhenunterschieden herausgesucht. Wir einigten uns also auf die Tour Nr.4 nach unserer Ausarbeitung.

 

1. Wandertag, 28. September 2001:

Am Morgen um 8.00 Uhr trafen wir uns zum gemeinsam gemachten ausgiebigen Frühstück am großen Tisch und gingen den Tag in aller Ruhe an, mit frisch gebrühtem Bohnenkaffee, Bauernbrot und Schinken, Eiern, Marmelade, Käse und sonstigem. Da die geplante Tagesstrecke nicht all zu groß war, also gerade richtig zum eingewöhnen, zog sich das Frühstück bis 9.30 Uhr hin. Danach maskierten wir uns mit Wanderklamotten und Rucksack und um 10.10 Uhr fuhren wir ab Richtung Scheffau und von da zum Hintersteiner See. Dort angekommen stellten wir unsere Autos am Parkplatz ab und um 10.30 Uhr gingen wir los. Es war ein wunderbarer Morgen.

Hier der Tourablauf unserer 1. Wanderstrecke: Scheffau - Hintersteiner See - Seestüberl - Oberkraidern - Kraiderberg - Hochegg Anfahrt mit dem Auto: Scheffau - Hintersteiner See - Parkplatz Seestüberl Wandertour: Links am See entlang den Weg 16 bis zum Alpengasthof Achleiten - Weg 16 weiter bis Anschluß Weg 12 Richtung Schiesswiesalm - weiter Richtung Hintersteiner See bis Abzweig Seeweg - zurück auf dem Seeweg zum Seestüberl. Höhenunterschiede: ca 150 m Gehzeit: 4 - 5 Std., mittelschwierig. Vom Seestüberl aus ging es an der Südseite am Hintersteiner See entlang bis Obergreidern. Von da aus den Weg 16 nach Untergreidern, Hochegg bis nach Oberschupfen.

Das Wetter war prima, die Sonne scheinte und wir waren ausgeruht und frisch. Unsere Mittagsrast machten wir im Alpengasthof "Achleiten", den wir um 11.30 Uhr erreichten. Bei Bärenlauchsuppe mit viel Knoblauch und gegrillten Ripperl mit Kraut und Anisbrot und einem kühlen Getränk (die Damen Wasser und die Herren Weißbier, wie immer) ließen wir es uns im Biergarten schmecken. Um 13.00 Uhr ging es weiter zur Tischleralm und über einen kurzen Steig zurück zum Hintersteiner See, den wir um 14.15 Uhr erreichten. Dort angekommen stellten wir fest, daß es eigentlich an der Zeit wäre für Kaffee und Kuchen. Deshalb suchten wir schleunigst die Jausenstation "Maier" auf, wo wir einen prima Apfelstrudel bekamen. Mechthild trank eine hausgemachte Buttermilch die ihr aber anscheinend nicht besonders bekommen ist. Anschließend kam es bei ihr zu einer stärkeren Bewußtseinstrübung, mit dem freudigen Ausruf: "Kuck doch mal, dort schwimmt ein Schwan auf dem See". Sie hatte eine gelbe Blechboje auf dem See mit der Beschriftung "Stop" für einen Schwan gehalten und ließ sich erst davon abbringen, als wir später näher herangekommen waren und sie ihren Irrtum sah. Auch unser Willi hatte mit einem kleinen Problem zu kämpfen das sich nicht einmal mit einer auf dem Wege verabreichten "Traubenzuckerwasser-Infusion" (landesübliche Bezeichnung für Willi-Schnaps) lindern ließ. Lediglich eine leichte Brise (manche meinten ein entferntes Donnergrollen zu hören) entfuhr ihm. Eine Erleichterung brachte ihm beim "Maier" das Aufsuchen eines gewissen Örtchens. Die Fliegen in diesem Raume fanden ein schreckliches Ende. Man fand sie anschließend nur noch auf dem Rücken liegend am Fußboden. Um 15.45 Uhr setzten wir unseren Weg fort, immer an der Nordseite des Sees entlang in strahlendem Sonnenschein. Zwischendurch fütterten wir noch mit Brötchenresten die vielen Forellen im See. Von da bis zum Parkplatz war es dann nicht mehr weit und so waren wir an diesem Tag schon um 16.30 Uhr wieder an unserer Unterkunft, "Haus Gerti" in Söll.

Unsere Wanderstrecke war an diesem Tage 14 km lang gewesen. Da das Wetter so hervorragend war, ließen wir uns, in Söll angekommen, noch eine Weile auf der Terrasse nieder, um uns noch ein wenig zu sonnen. Willi servierte uns hierzu gekonnt seinen selbstgemachten Espresso. So hielten wir es tratschend aus bis um ca. 18.00 Uhr. Nach dem Duschen bereiteten wir unser Abendessen vor, denn Hunger hatten wir natürlich auch schon wieder nach dieser vielen frischen Luft. Es gab Bauernbrot aus Alzenau, Käse vom ALDI, Schinken vom Hahnenkammhof und Hausmacher vom Erdbeerranger. Hierzu ließen wir uns ein frisches Steinbräu vom Sittinger und einige Gläser Rotwein aus der Pfalz schmecken. Das ganze wurde abgerundet mit einem kühlen Kräuterkümmel aus Hasselroth. Das wohlschmeckende Abendbrot war sozusagen angerichtet aus internationalen Zutaten. Und man glaubt es nicht, was ein paar Stunden frische Bergluft für Hungergefühle wecken können. Frisch gestärkt, außen gereinigt und gelüftet, hielten wir es aus bis 24.00 Uhr, dann beschlossen wir in Erwartung der Strapazen des nächsten Tages, in die Kojen zu kriechen.

 

Samstag, 29.September, 2. Wandertag:


Diesmal wollten wir direkt von unserer Unterkunft loslaufen und die Auto´s auf dem Parkplatz stehen lassen.

Hier also die Wegeführung der heutigen Tour: Hauning - Hochlehen Rundgang bis zum Weiler Fallbichl - ansteigend bis zum Schadlbauer - steil hoch zur Jausenstation Hochlehen (Einkehr) - weiter ansteigend zur Neualm (Einkehr) - weiter zur Unterfeistner- und Hochalm - abwärts zum Auhäusl - zurück nach Hauning Höhenunterschiede: ca 550 m Gehzeit: ca 4 - 5 Std. - nicht schwierig erfordert aber Ausdauer Vom Hauning aus sollte es zum Weiler Fallbichl, über den Schadlbauer zur Jausenstation Hochlechen gehen. Die nächste Einkehr wäre eventuell die Neualm und von da an ging es wieder an den Abstieg über die Hochalm zurück zum Hauning.

Diese 2. Tour sollte schon ein wenig anspruchsvoller sein und uns an unsere Grenzen führen. Es war immerhin ein Höhenunterschied von über 520 m zu bewältigen und dabei ging es etliche male erst bergauf und dann wieder große Stücke bergab.

Nach dem Frühstück um 9.00 Uhr ging es also dann los. Der Anstieg war schon ganz schön anstrengend und bald hatten wir unsere Klamotten durchgeschwitzt. An der Jausenstation Hochlechen stellten wir fest, daß es eigentlich noch viel zu früh für eine Mittagspause sei und so beschlossen wir zur Neualm weiterzulaufen, wo wir dann unsere Mittagspause einlegen wollten......... Hätten wir uns das nur verkniffen! Um 11.50 Uhr auf 1250 m angekommen mußten wir leider feststellen daß man uns verschaukelt hatte, denn trotz Hinweis im Wanderführer, daß die Neualm bewirtschaftet sei und heute auch keinen Ruhetag hatte, stellten wir fest, daß die Türen verrammelt und das Gebäude nicht bewohnt war. Sogar die Weihnachtsdekorationen vom letzten Jahr waren noch nicht beseitigt worden. Was also tun? Hunger und Durst hatten wir alle, und so beschlossen wir uns auf der Terrasse niederzulassen und unsere Rucksäcke auszupacken. Zum Glück hatte jeder etwas dabei, so daß wir wenigstens satt wurden. Auf unser ersehntes Weizenbier mußten wir leider verzichten. Statt dessen aßen wir Äpfel, um wenigstens den Durst zu stillen. Christel war die einzige die meinte, es nicht nötig zu haben, einen Rucksack zu tragen. Hunger und Durst hatte sie aber ebenso wie wir alle. Willi beschloß deshalb, daß sie in Zukunft für die notwendigen Lebensmittel vor Ort zu sorgen habe. Ich meinte: Weck, Woscht und Woi sollten da schon im Rucksack sein und Helmut meinte, sie kriegt auch eine eigene Internet-Seite damit sie es sich besser merken kann und immer daran denke, nämlich: "www.Christel.de" (Weck-Woscht-Woi). Da die Sonne sehr stark schien, cremten wir uns alle erst einmal mit Sonnenschutzcreme Lichtschutzfaktor 20 ein. Die schweißnassen Klamotten wurden gewechselt und zum trocknen in die Sonne gehängt. Dabei prägte unser Willi den sinnigen Spruch: "Ich cremte mir den Berzel ein, doch er sah keinen Sonnenschein."

Nach einem mühsamen Abstieg, bei dem es zuerst noch einmal ein paar hundert Meter steil bergauf ging, erreichten wir müde, durstig und hungrig das Tal. Wir waren ziemlich fertig wie man sieht. Helmut und ich beschlossen zu streiken als der Rest der Truppe vorschlug ins Ort zu laufen um Kaffe und Kuchen zu genießen. Statt dessen schlugen wir vor zurück zum Haus zu laufen, die Autos zu holen und uns mit ihnen im Ort zu treffen. Nach dem Kaffee trinken könnten wir dann alle gemütlich zum Hause zurückfahren. Dieser Vorschlag wurde für gut geheißen und so trennten wir uns. Als wir am Haus angekommen waren hatten wir immerhin 18 km gelaufen. Wir kamen am Haus um ca 17.00 Uhr an. Wir tranken erst einmal ein Bierchen und fuhren danach in den Ort wo wir uns beim Gasthaus "Feldwebel" treffen wollten. Dort angekommen gab es eine gute Tasse Kaffe und einen Apfelstrudel für uns beide. Das restliche Stück hatte man geteilt, so daß jeder wenigstens noch ein kleines Stück bekam. Der große Vorteil davon war, daß wir unseren Apfelstrudel deshalb nicht bezahlen mußten. Praktisch als Geschenk des Hauses mangels Masse.

 

Sonntag, 30.September, 3. Wandertag:

Heute um 10.20 Uhr ging die Fahrt mit den Autos nach Ellmau. Von dort aus traten wir unsere Tour 3 an. Der Weg führte uns vom Ortsteil Wimm, dem Ringweg entlang, zur Haflingertränke, weiter zur Riedlhütte und dann den Weg 23 zum Gasthaus Riesen. Von da aus geht es wieder zurück zum Auto. Tour 3: Ellmau - Wimm - Wald - Ringweg - Haflingertränke - Kaisern - Riedlhütte - Riesen - Ellmau Anfahrt mit dem Auto: Ellmau - Wimm Wandertour: Ringweg nach Wald - Waldstallhäusl - Kogler - Weg 22 und 24 zur Haflingertränke - weiter zum Weg 14 - Stausee - weiter zur Riedlhütte, dort Einkehr - Weg 23 Richtung Riesen, Einkehr im Gasthaus Riesen - Weg 23 weiter nach Wimm. Höhenunterschiede: ca 450 m Gehzeit: Tagestour, mittelschwierig

An diesem Morgen war das Wetter leider nicht mehr so toll wie die ganze Zeit. In der Nacht hatte es schon einmal leicht geregnet, doch als wir morgens aufbrachen war es trocken. Ausgerüstet mit Regenkleidung und allem nötigen ging es also los. Unsere Autos stellten wir in "Wimm" auf dem Parkplatz "Ellmauer Kaiserbad" ab. Es ging über Almwiesen und durch den Wald an einem Gebirgsbach entlang und der Weg war trocken und schön zu laufen. Auf dem Wege standen in den Koppeln jede Menge Rinder, Jungbullen und Pferde. Sogar Lama´s sahen wir und wir dachten schon, daß wir in Tibet gelandet wären. Außerdem sah Mechthild noch ein Wundertier. Nämlich eine sogenannte "Hasenkatze". Wir sagten es wäre eine Katze, doch Mechthild bestand darauf, daß es ein Hase sei. Das war schon das zweite mal wo sie irgendwelche Fabelwesen sah, ich glaube beim nächsten Anfall werden sie notschlachten müssen. Um 11.40 Uhr erreichten wir das Gasthaus "Haflingertränke". Unterwegs hatte es zu regnen begonnen. Wir zogen also unsere Regenjacken an und stellten fest, daß wir, da die Jacken keine Luft durchließen, Minuten später von innen genauso naß waren wie von außen. Das Gasthaus war ein Aussiedlerhof mit Pferdekoppeln, Landwirtschaft und einem schönen großen, gemütlichen und warmen Gastzimer. Wir hatten Glück und bekamen auch gleich einen schönen Tisch, wo wir uns häuslich einrichteten. Als wir die Speisekarte anschauten stellten wir fest, daß wir schon wieder einmal großen Hunger hatten. Die Speisekarte bot alles was das Herz begehrte. Es gab Knödel mit Pilzen und für die Herrn der Schöpfung Krustenbraten mit Semmelknödeln. Auch hatte man, natürlich rein zufällig auch unser geliebtes Weizenbier vom Faß im Ausschank, was sofort mehrfach geordert wurde. Draußen regnete es immer stärker und wir wären am liebsten sitzen geblieben in der warmen Stube. Doch irgendwann dann überwanden wir doch unseren inneren Schweinehund und wir stapften weiter bergauf Richtung Riedlhütte. Der Weg war ziehlich beschwerlich. Zum einen, weil es immer noch regnete und zum anderen, weil wir von innen schon wieder pitschnaß geschwitzt waren. Oben an der Hütte angekomen stellten wir mit grollen fest, daß die relativ kleine Schutzhütte voll besetzt mit Leuten war, die fast alle mit dem Auto herauf gefahren waren. Aber was soll´s, einen Platz bekamen wir nicht, also standen wir draußen unter dem Dach, damit wir wenigstens von oben geschützt waren und ruhten uns eine Weile aus. Wir aßen eine Kleinigkeit aus dem Rucksack und tranken etwas und dann ging es an den Abstieg Richtung Gasthaus "Riesen". Unterwegs sah Mechthild am Wegrand einen kleinen Feuersalamander und meinte dazu: "Der kann ja gar nicht laufen, der hat ja noch gar keine Beine", bis Helmut meinte: "Der ist noch zu klein, seine Beine gehen noch nicht bis auf die Erde". Sonja meinte dazu: "Der hatte noch nicht mal einen Behindertenausweis dabei".

Bei so vielen intelligenten Sprüchen fiel uns der Abstieg ins Tal natürlich nicht sehr schwer. Im Gasthaus Riesen sollte an jedem letzten Sonntag im Monat ein Musikantentreffen stattfinden. Aus diesem Grunde hatten wir an diesem Tage diese Tour gewählt. Was das allerdings sein sollte, konnten wir nicht sagen. Man konnte sich viel darunter vorstellen. Als wir dort um 14.40 Uhr ankamen war die Gaststube bis auf den letzten Platz besetzt. Wir also hinein mit unseren nassen Klamotten und unseren verdreckten Schuhen. Doch was uns da geboten wurde hatte uns dann doch überrascht. Dieses mal hatten wir Glück gehabt. Nach der vollen Riedlhütte und dem vielen Regen hatten wir eigentlich die Hoffnung auf einen guten Ausklang des Tages schon aufgegeben doch die Wirtin empfing uns schon am Eingang und begrüßte uns freudig. Sie meinte, daß wir an der Theke erst einmal warten sollten, sie würde sich um Plätze kümmern. Und richtig, es vergingen keine 5 Minuten und schon hatte sie Plätze für uns frei gemacht. Wir bestellten Kaffe und Kuchen und es schmeckte uns vorzüglich nach diesem nassen Tag. In der Stube saßen an die 60 Personen älteren Semesters. Alle waren älter als wir und wir dachten am Anfang erst wir wären auf einer Seniorenveranstaltung. Was aber musikalisch dort geboten wurde, war echt Klasse. Da waren Männer und Frauen mit Gitarren, mit Saxophon, Tuba, einem Tischschlagzeug und vielen Steirischen Harmonikas. Die spielten abwechseld und in den verschiedensten Zusammensetzungen auf. Mal waren es Gstanzel, Zwiegesänge, Jodler, Polka, Landler usw. Es war eine tolle Musik und man spürte, sie kam aus dem Herzen und es war die echte Volksmusik. Keine Show, keine Verstärker und Mikrophone. Es war einfach prima. Es gefiel uns sehr und wir genossen den Nachmittag sichtlich. Um 17.45 Uhr verließen wir den "Riesen" wieder, denn wir hatten noch ein Teil Weg zu laufen und wir wollten auch endlich aus den verdreckten und nassen Klamotten raus. Am Ausgang verabschiedete sich die Wirtin von uns und sagte, daß sie sich sehr gefreut habe, daß wir rein gekommen sind und wir wären gerne wieder eingeladen. Sogar einer der Musiker verabschiedete sich von uns mit Handschlag. So hatte sich der Tag dann doch noch zu einem schönen Ausgang gewandelt. Um 18.15 Uhr waren wir dann wieder an unseren Auto´s und um 18.40 Uhr waren wir alle wieder Zuhause. An diesem Tage sind wir trotz Nieselregen 13 km gelaufen. Wir saßen am Abend noch ein paar schöne Stunden im Aufenthaltsraum und unterhilten uns bei Wein, Schnaps und Bier. Leider ging das Bier an diesem Abend aus und wir mußten uns auf nur noch Wein umstellen. Irgenwann am Abend, als Willi zum wievielten male die Zirkürbise auf dem Tisch richtete und arrangierte prägte er den Spruch: "Wie ihr seht, bin ich kreativ wie JAHRHUNDERTWASSER."

 

Montag der 1. Oktober der 4. Wandertag:

Dieser Tag sollte unser letzter Wandertag in Söll werden. Da das Wetter am Abend schon wieder schöner geworden war und am nächsten Tag die Sonne wieder scheinen sollte arbeiteten wir eine neue Wandertour am Vorabend aus. Es sollte eine einfache Tour, ohne viel Höhenunterschiede, direkt um die "Hohe Salve" sein.

Wie sich herausstellte, hatten wir recht behalten mit dem Wetter. Der Tag lachte mit strahlendem Sonnenschein und wir starteten zu unserer letzten Tour. Dazu fuhren wir mit dem Auto an die Seilbahn Söll und fuhren mit ihr auf die Mittelstation. Dort wollten wir den Salven-Hohenweg laufen. Der führte über die Stöcklalm auf die Kraftalm, dann zur Riggialm und von da hinter der hohen Salve herum wieder zurück zur Mittelstation. Wir dachten: "Das kann sicher nicht schwierig werden, denn wenn wir einmal oben sind, geht es sicher nur noch gerade aus." Bevor wir jedoch an der Mittelstation aufbrachen, wir suchten noch den richtigen Weg, mußte Helmut den großen Tierretter spielen. Am Wegrand waren Koppel und darin waren unter anderem auch Esel und Ponnys. Ein solches doofes Ponny hatte seinen dummen Kopf durch den Drahtzeun gesteckt und konnte ihn nicht mehr heraus bekommen. Als wenn das für das arme Tier schon nicht genug gewesen wäre, biß ihn ein hinterlistiger Esel ständig in den Hinterkopf. Das arme Tier war schon ganz verzweifelt. Unser Helmut organisierte sofort eine Rettung und schickte jemand in das nächste Gasthaus um Hilfe zu holen. Trotzdem versuchte Helmut weiterhin den Kopf des armen Tieres aus dem Draht zu bekommen. Dem Esel hat er erst mal auf´s Maul geschlagen damit er verschwindet. Nachdem er das störrische Vieh verscheucht hatte, gelang es ihm tatsächlich den Kopf des verängstigten Ponny´s aus dem Drahtzaun frei zu bekommen. Nachdem er das Tier noch psychologisch mit allerlei guten Ratschlägen wieder aufgerichtet hatte konnten wir dann endlich unsere Wandertour beginnen. Das Ganze hatte immerhin bis 10.40 Uhr gedauert.

Wir also los , zuerst einmal bergab zur Stöcklalm, über die Piste wieder hoch zur Kraftalm. Dort stand eine kleine Kapelle die wir uns erst einmal in aller Ruhe anschauten. Immerhin hatten wir da hinauf schon eine ganze Stunde gebraucht. Der Weg war sehr steil und wir kamen ganz schön ins schwitzen. Doch der Ausblick von da oben entschädigte uns dafür reichlich. Wir konnten einen weiten Blick in die Berge genießen und man konnte den Großglockner und die Tauern sehen. Nachdem wir wieder genug Energie getankt hatten ging es weiter zur "Riggialm." Diese war noch einmal ein paar hundert Meter weiter oben und wir waren wirklich froh als wir dort oben ankamen. Der Ausblick war wirklich grandios. Ein Hubschrauber stand auch dort, mit dem wurde Material zum ausbessern der Piste emporgeflogen und die Piloten machten erst einmal Mittagspause. In der Riggialm machten wir Mittag und stärkten uns mit "Tiroler Gröstl" und Palatschinken. Als wir dann bezahlten hatte Helmut einen leichten Irrläufer, denn statt Palatschinken wollte er mit aller Gewalt "Parmaschinken" bezahlen. Doch die Wirtin hatte Geduld mit ihm und wußte auch ohne seine Tiroler Spezialitäten-Kentnisse was sie abziehen mußte. Um 13.40 Uhr brachen wir auf, um die Hohe Salve zu umrunden. Was am Anfang noch als recht harmlos aussah entpuppte sich als tragischen Irrtum. Wir waren zwar auf dem richtigen Weg, doch ca nach drei Kilometer war dieser auf einmal zu Ende und wir standen mitten am Berg und wußten nicht mehr weiter. Irgendwann, nach längerem hin- und herlaufen fanden wir endlich wieder auf den richtigen Weg und auf einer Bank mit einem Marterl erholten wir uns erst einmal von den Strapazen. Wir waren klitschnaß und zogen erst einmal trockene Pullis an. Helmut war so edel und wollte sogar aus seiner "Glückstüte" wie er seinen Rucksach nannte, sein letztes Hemd an Meggi abtreten. Nur leider war dieses Hemd klitschnaß und Meggi verzichtete dankend. Ab hier hatte dann noch jemand Probleme am Berg. Christel war plötzlich recht stinkig. Sie sprach kein Wort mehr, machte ein böses Gesicht und lief vorneweg ohne auf die anderen zu achten. Kein gutes Zureden half und so ließen wir sie eben gewähren. Willi meinte: "Das gibt sich schon wieder, den Dickkopf hat sie öfters. Das ist nur ein Zeichen dafür, daß sie fix und fertig ist". Als wir dann endlich auf der anderen Seite des Berges waren und die Mittelstation vor uns liegen sahen waren wir alle schon sichtlich erleichtert. Nun ging es nur noch an den Abstieg und mancher sprach das aus was alle dachten: "Jetzt das richtige Wetter und ein paar Skier unter den Füßen, dann wären wir in fünf Minuten unten." So aber dauerte es noch ganze 45 Minuten, bis wir die Mittelstation erreichten. Mechthild und Helmut hatten aber noch lange nicht genug von der "Hohen Salve". Die Beiden stiegen umgehend in die Seilbahn und fuhren zum Gipfel hinauf. Er meinte: "Wenn ich schon drum herum laufen mußte, dann will ich mir das von oben auch ansehen." Wir dagegen setzten uns in die Gründlalm und bestellten uns erst mal Kaffee und Apfelstrudel. Als sie dann endlich wieder runter kamen, führen wir dann gemeinsam wieder mit der Gondel zu Tal. Christel war nach dem Genuß des Apfelstrudels auch wieder die "Alte" und so ging ein schöner Tag zu Ende.

Mit der letzten Gondel um 17.30 Uhr unten angekommen machten wir, daß wir in die Unterkunft kamen. Mancher konnte schon nicht mehr gerade laufen und Mechthild, die schon am Vorabend einen recht sonderbaren Gang hatte, lief nur noch wie auf rohen Eiern. Am Abend dann, als alle wieder geduscht und gestärkt waren, kehrten die Lebensgeister wieder zurück in unsere geschundenen Körper und Willi war schon wieder ganz der alte als er fragte: "Wie heißt die Frau von Steve Wonder ? -Na ist doch klar - WONDERBRA !!" So ist er eben, immer zu Späßen aufgelegt. Das war auch ganz gut so, denn auch die anderen hatten manchmal ganz schöne Durchhänger und damit richtete er uns manches mal wieder auf, indem er alles zum lachen brachte. Am Abend dann, so gegen 23.00 Uhr, nach ein paar Gläsern Wein, als Christel wieder reden konnte, sie erzählte gerade von Zuhause, meinte sie: "Wir haben ja genau gegenüber von uns gewohnt." Ist schon merkwürdig, wie ein paar Tropfen Alkohol die Artikulierung verändern können - oder?

Alles in allem muß man sagen, daß es mal wieder ein gelungener Kurzurlaub war und daß wir wunderbar miteinander harmonieren. Jeder gibt sich so wie er eben ist und auch kleine Macken und Fehler, die ja ein jeder hat, gehören unbedingt dazu. Es wäre ja schlimm, wenn wir nichts mehr zu lachen hätten, oder was meint Ihr ?????

H.Ritter

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